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Robert Bosch Stiftung: Testphase eines Lehrkonzeptes in der Humanmedizin und für den Gesundheitscampus Göttingen

Die Erprobung eines neuen Lehrkonzepts für die gemeinsame Ausbildung von Studierenden in Gesundheitsberufen und von Studierenden der Humanmedizin, das ist das Ziel von „InHAnds – Interprofessionelle Health Alliance Südniedersachsen“. Das gemeinsame Projekt von Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst steht im Zusammenhang mit dem weiteren Aufbau des neuen Gesundheitscampus Göttingen. Das Vorhaben wird von der Robert Bosch Stiftung im Rahmen ihres Förderprogramms „Operation Team – Interprofessionelle Fortbildungen in den Gesundheitsberufen“ mit rund 90.000 Euro gefördert und hat eine Dauer von zwei Jahren.

In neu entwickelten Lehreinheiten zu den Themen „Professionen im Gesundheitswesen“ und „Interprofessionelle Zusammenarbeit“ lernen Studierende unterschiedlicher Studiengänge gemeinsam an praktischen Beispielen, wie alle an der Krankenversorgung beteiligten Personen zusammen die besten Lösungen für die Probleme ihrer Patienten erarbeiten können. Dadurch sollen die Lernenden für interprofessionelle Fragestellungen und Lösungsansätze sensibilisiert werden. Die Lerneinheiten des Projekts können von Studierenden des Gesundheitscampus Göttingen und der Humanmedizin zusätzlich besucht werden. Die projektbezogenen Veranstaltungen beginnen im Sommersemester 2017.

„Diese Förderung freut uns sehr“, sagt Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Dekan der Medizinischen Fakultät und Mitglied im Gründungsdirektorium des Gesundheitscampus Göttingen. „Das Projekt macht es möglich, interprofessionelles und interdisziplinäres Denken und Handeln zwischen den Gesundheitsfachberufen zu fördern und zusätzlich angehende Ärzte miteinzubeziehen. Das ist ein neuer Lehransatz. In Deutschland gibt es bisher noch nicht viele solcher Angebote. Wir sind sicher, dass durch eine solche interprofessionelle Lehre die Qualität aller Studiengänge steigt und die Absolventen für ihre spätere Tätigkeit in der Region noch besser qualifiziert werden.“

„In unserem Projekt ‚InHAnds‘ trainieren die Studierenden verschiedener Studiengänge unter anderem die Kommunikation im Team“, sagt Prof. Dr. Annette Probst, Vizepräsidentin der HAWK und Mitglied des Gründungsdirektoriums des Gesundheitscampus Göttingen. „Außerdem geht es darum, welchen Beitrag die einzelnen Disziplinen zum Wohl der Patientinnen und Patienten leisten können. In der Summe ist dies mehr als das, was jede Gruppe alleine tun kann. Ein wesentliches Merkmal interprofessioneller Versorgung ist, dass die Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten aus verschiedenen Blickwinkeln gesehen werden und gemeinsam mit ihnen an Lösungen gearbeitet wird.“

„Das Projekt ‚InHAnds‘ wird dazu beitragen, das Studium der Pflege und der Therapiewissenschaften, aber auch der Humanmedizin an aktuelle Entwicklungen im Gesundheitswesen anzupassen“, sagt Prof. Dr. Tobias Raupach, Leiter des Bereichs Medizindidaktik und Ausbildungsforschung im Studiendekanat der Medizinischen Fakultät. „In dem gerade erst verabschiedeten Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog für das Medizinstudium wird ausdrücklich mehr Gewicht für die interprofessionelle Ausbildung gefordert. Genau das wollen wir in unserem gemeinsamen Projekt als eine der ersten Medizinischen Fakultäten in Deutschland umsetzen.“

Die Module
Im Modul „Professionen im Gesundheitswesen“ lernen Studierende der Humanmedizin im 2. Semester gemeinsam mit Studierenden des Gesundheitscampus Göttingen im ersten Jahr. Die Lehre findet in Kleingruppen statt. In jeweils 90-minütigen Veranstaltungen werden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. Themen sind unter anderem: „Dialog zwischen den Professionen“ und „Effektive Kommunikation im Team“. Das Modul wird von Lehrenden der UMG und der HAWK gemeinsam gestaltet.

Das Modul „Interprofessionelle Zusammenarbeit“ ist für fortgeschrittene Studierende beider Studiengänge konzipiert und soll erstmals im Sommersemester 2018 angeboten werden. Der Schwerpunkt des Konzepts liegt auf „Forschendem Lernen“. In Kleingruppen sollen Fragen des Übergangs von der stationären in die ambulante Versorgung diskutiert und gemeinsame Lösungsansätze erarbeitet werden. Im Zentrum der gemeinsamen Aktivitäten stehen interprofessionelle Besprechungen.

Robert Bosch Stiftung
Die Robert Bosch Stiftung gehört zu den großen, unternehmensverbundenen Stiftungen in Europa. In ihrer gemeinnützigen Arbeit greift sie gesellschaftliche Themen frühzeitig auf und erarbeitet exemplarische Lösungen. Dabei ist die Stiftung auf den Gebieten Gesundheit, Wissenschaft, Gesellschaft, Bildung und Völkerverständigung tätig. Seit ihrer Gründung 1964 hat die Robert Bosch Stiftung mehr als 1,4 Milliarden Euro für ihre gemeinnützige Arbeit ausgegeben.

Mit dem Programm „Operation Team – Interprofessionelles Lernen in den Gesundheitsberufen“ unterstützt die Robert Bosch Stiftung bundesweit 17 regionale Kooperationsprojekte, die angehende Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten bereits in der Ausbildungsphase an die Kooperation in einem berufsübergreifenden Team vorbereiten sollen. Universitäten, Hochschulen und nichtakademische Ausbildungseinrichtungen konzipieren dafür gemeinsam neue interprofessionelle Lerneinheiten. Die strukturelle Verankerung und curriculare Integration der neuen Lernangebote stehen dabei im Fokus der Projektarbeit. Die Robert Bosch Stiftung stellte dafür rund 2 Millionen Euro zur Verfügung. Mit ihrer Arbeit möchte die Robert Bosch Stiftung deshalb die interprofessionelle Kooperation zwischen den Gesundheitsberufen vorantreiben und dafür sorgen, dass die monoprofessionelle Bildungskultur aufgebrochen wird. Ziel ist eine strukturelle und curriculare Verankerung interprofessioneller Lernangebote.

Weitere Informationen zur Robert Bosch Stiftung: www.bosch-stiftung.de

WEITERE INFORMATIONEN:

Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Studiendekanat: Leiter Bereich Medizindidaktik und Ausbildungsforschung
Prof. Dr. Tobias Raupach, MME
T +49(0)551 39 19814
raupach@med.uni-goettingen.de

HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst
Vizepräsidentin Studium/Lehre und wissenschaftliche Weiterbildung
Prof. Dr. Annette Probst
T +49(0)5121 881 123